Megabyte Christus
Fitnessprogramm für Geist und Lachmuskeln
Fitnessrezepte für den Körper gibt es viele. Wussten Sie aber, dass auch Motten zu einer schlanken Figur verhelfen können? Nach Lektüre der Mottenkur gelingt es Ihnen bestimmt, sie ebenso wirkungsvoll einzusetzen.
Die Satiren dieses Bandes sind Therapie fürs Gemüt und trainieren Ihre Lachmuskeln. Jede für sich wirkt als humoristische Dosis, die den persönlich erlebten Frust wirksam lindert. Trostspendend auch bei kollektiv erfahrener Ohnmacht, die uns angesichts der fortschreitenden Zerstörung unserer Lebenswelt befällt. Vor allem zielen sie aber auf eines ab:
Auf mehr Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung des Menschen*. Diese Dimension wird von Politik und Wirtschaft einfach beiseite geschoben, um einen für ihre Bedürfnisse geeichten Bürger auszubilden. Den daraus resultierenden Fehlentwicklungen des Einzelnen und der Gesellschaft ist dieses Buch auf der Spur.
Die Satiren und Gedichte von Megabyte Christus
Wenn man in Hinblick auf die Frauenemanzipation die soziale Stellung des weiblichen Geschlechts in ca. 80 Jahren vorwegnimmt, wird die Gesellschaft gerechter sein? Eine mögliche Antwort gibt der Brief aus der Zukunft.
Ein zivilisierter Mann sieht auf den archaischen Grund seiner Beziehung, als plötzlich eine Wildkatze An der Leine vor ihm auftaucht.
Nicht der Papst, sondern Ananas führten zum Sturz des kommunistischen Regimes in Polen. Nachgewiesen in Die polnische Ananaskrankheit.
Der Bargeldlose Verkehr schildert das Schreckgespenst entvölkerter Bankfilialen.
Dass ein anerkannter Bildungsstatus meist die Oberhand über die Bildungsinhalte gewinnt, macht der Seelenarzt wider Willen deutlich.
Sokrates hat keine Chance und muss erkennen, dass sich die heutige Philosophie im Würgegriff von Technologie und ökonomie befindet, als er die uralte Frage nach dem Sinn des Lebens stellt.
Die Form, das Design und das Marketing selbst von Grundnahrungsmitteln lässt in Brot aus Abfall die eigentliche Qualität zur Nebensache werden.
Der Protagonist befindet sich gerade auf der rasanten Fahrt zum Fernsehreport gegen das Autofahren, als er von öko-Terroristen, die im Auftrag eines Chemiefabrikanten handeln, vorübergehend in Geiselhaft genommen wird.
Von Abfallwirtschaft bis Shakespeare nimmt die chaotische Entwicklung unseres Umweltrechts aufs Korn. Der Autor der Gesetzestexte entpuppt sich als experimenteller Dichter, dem manchmal beim Verfassen seines voluminösen Rechtswerkes die Seiten durcheinander geraten.
In der literarischen Miniatur Das Blumenspiel wird das jährlich sich wiederholende Spektakel der blühenden Pflanzen ironisch beleuchtet.
Und zu guter Letzt: Der Megabyte Christus zeigt den Weg, wie man einem aus der Mode gekommenen Christus zum Come Back verhilft – nämlich mit einem Internetauftritt und einem Erlösungsspiel. Auch wenn der Glaube auf der Strecke bleibt.
Bei der Kurzlyrik (Drei- und Fünfzeilern) handelt es sich um japanische Lyrikformen. Wegen ihrer Komprimiertheit und Schlichtheit erscheinen diese traditionellen Gedichte erstaunlich modern und sind deshalb nicht nur im Orient beliebt. Ein gelungenes Haiku vermittelt in seinen drei Zeilen (5-7-5 Silben) profundes Naturempfinden). Bei der Beschäftigung mit solchen Werken distanziert man sich ein wenig von seinen Hoffnungen, ängsten und Sorgen. Sie wirken deshalb wie Balsam für die Seele. Die meisten Dreizeiler in diesem Band regen kaum zur Meditation an; sie sind vor allem amüsant. Dies trifft genauso für das Tanka (Fünfzeiler mit 5-7-5-7-7 Silben) zu. Diese Gedichte haben jedoch mit den Haiku gewisse Gemeinsamkeiten. Alle sind nämlich von sprachlicher Intensität und distanzierter Haltung gekennzeichnet.
Leitspruch:
Was macht das Wesen des Menschen aus ?
...das Sich-im-Höheren-Suchen.
Der Mensch ist nicht bloß das, was er ist, sondern zu seinem eigentümlichen Sein gehört gerade auch jenes Inwendig-überlegene, das ihm fordernd oder ihn bedrängend <gegenüber> steht. Aber dieses Gegenüber ist ein ganz anderes als das der Objekte. Es ist ein wahres Gegenüber, während wir das der Objekte als ein bezeichnen könnten. Es kommt nicht als ein Fremdes, sondern als der Ruf zum Eigenen, zur Eigentlichkeit, zum wahren Selbstsein; und wirkt doch als eine Nötigung. Ob er will oder nicht, der Mensch muss irgendwie über sich hinausgreifen, er muss sein Denken, Wollen und Schaffen an etwas messen, das ihm überlegen ist. So wird er unwiderstehlich von diesem überlegenen, Höheren angezogen, sei dieses nun die Wahrheit, die er noch nicht kennt und an der er sein Denken misst, oder die Gerechtigkeit, das Gute oder das Schöne, das Vollkommene oder das Heilige oder auch das recht Menschliche.
Der Mensch ist nicht bloß das, was er ist; er ist das Wesen, das sich selbst erst sucht.
Emil Brunner, Gott und sein Rebell
